Konzert der Mainzer Dombläser 2020

 

Mainzer Dombläser in der Idarer Stadtkirche am 5. Januar 2020

Volles Haus in der Idarer Stadtkirche am ersten Sonntagnachmittag im neuen Jahr.

 

 

 

Eine mittlerweile 34-jährige Tradition führte die sieben Mitglieder des hochkarätigen Mainzer Ensembles, die Dombläser, nach Idar-Oberstein. Sie kamen erneut auf Einladung des Lions Clubs. Deren Verantwortliche können gewiss sein: Die Karten sind genauso gefragt wie die zum Wiener Neujahrskonzert. Das Rezept dazu: „Die angenehme, familiäre Atmosphäre, hohe Qualität der Darbietung und das attraktive Buffet hernach“, schätzt Uwe Tessmann, der Hornist der Dombläser, der das Ereignis seit vielen Jahren kennt. Für den Service-Club begrüßte ihr Präsident, Fiepko Kohlmann, schnörkellos und mit vielen Details aus den Biografien der Musiker. Die gleiche Idee hatte Hausherr Rüdiger Kindermann, der Lacher erntete, weil er bei der Internationalität der Gruppe ausgerechnet das friedliche Auskommen mit dem Wiesbadener Trompeter Christian Tolksdorff herausstrich.

Der schlichte Programmzettel ist immer gleich lang. Das bedeutet eine 90 Minuten währende Mischung aus Werken für fünf Blechbläser, Perkussion und/ oder Orgel durch 450 Jahre Musikgeschichte. „Einen Schwerpunkt haben wir dieses Mal bei Johann Sebastian Bach gesetzt“, erzählt der Moderator und Posaunist Stefan Hofmann. Bachs feierlich-prächtige Musik „Auf, schmetternde Töne der muntren Trompeten“ aus einer Kantate eröffnete den musikalischen Abend. Thomas Höpp, als Organist in Mainz und Ingelheim tätig, war diesmal mitgereist und hier im Wechsel mit Bläsern und der Pauke (Tomoko Ishige) zu hören. Höpp interpretierte Bachs große Fantasie g-Moll BWV 542, die mit ihren vielen Seufzer-Motiven, weitläufigen Arpeggien und Fermaten wie eine Klagemusik wirkt. Sie stammt, wie Hofmann erläuterte, aus dem Jahr 1720, in dem Bachs erste Frau gestorben war. „Eine Fuge zu spielen, ist für uns Bläser eine besondere Herausforderung“, bekannte Hofmann. „Wenn man da rausfliegt, hat man keine Chance mehr wieder einzusteigen.“ Bachs Fuge g-Moll BWV Nr. 578 gelang den Fünfen perfekt und bot einen exquisiten, weil besonders transparenten Hörgenuss. Sie hatten dieses Mal noch einige ausgefallene Stücke im Gepäck: so auch ein Offertorium für Orgel und Bläser von César Frank, damals Organist zu „Notre Dame“ in Paris. Beim witzigen „Bachs b-Moll Bossa“ greift der Schlagzeuger Thorsten Blumberg Themen aus Bachs Messe in h-Moll auf und integriert sie in den südamerikanischen Tanzrhythmus. Eine attraktive, schwungvolle Kombination, die zeigt, wie „jazz-fähig“ Bachs Musik ist. Das Publikum liebte das Stück. Daher war man begeistert, als die Musiker es als Zugabe noch einmal auspackten. Hier wie auch im Arrangement von „Maria de Buenos Aires“ feierten sie ihren Neuzugang, den Trompeter Lászlo Kunkli aus Ungarn, der mit seiner hohen, kleineren Trompete glänzte. Gegen Ende eines Konzertabends sind die mitreißenden Tango-Rhythmen des Argentiniers Astor Piazolla besonders willkommen. Beim abschließenden Gospel „In His Hands” (He’s got the Whole World…) sollte man mitmachen (Mitklatschen überstünden sie, scherzte Hofmann), aber den meisten war nach Zuhören. Dafür klatschten sie lang Beifall nach einem kurzweiligen, hochklassigen Konzert dieses Ensembles.