Konzert der Mainzer Dombläser 2018

 

Mainzer Dombläser in der Idarer Stadtkirche

von Jutta Gerhold

Das neue Jahr beginnt in Idar-Oberstein traditionell mit mehreren musikalischen Höhepunkten. Dazu gehört seit mittlerweile 32 Jahren der Auftritt der „Mainzer Dombläser“. Neben ihrer Hauptaufgabe, wichtige Gottesdienste am Mainzer Dom besonders feierlich zu gestalten, gastieren sie landauf, landab, und besonders gern hier bei uns. „Da ist der Empfang immer besonders herzlich und das Essen köstlich“, scherzt der Trompeter Heiner Wellnitz, der fast alle Gigs in Idar-Oberstein mit gestaltet hat. Die vorzügliche Verköstigung verdanken sie und alle anderen zahlreich in der Stadtkirche erschienenen Gäste an diesem Januarsonntag dem rührigen Lions - Club. Sie gönnen sich als Neujahrsempfang solch ein schönes Konzert und freuen sich, wie der derzeitige Präsident Dr. Oliver Conradt freundlich betonte, wenn Viele nach dem Konzert ihrer Einladung ans reich ausstaffierte Buffet ins Martin – Luther Haus folgen. Stolz berichtete Conradt auch vom segensreichen sozialen Engagement seines Clubs. Von der Stammbesetzung des Bläserquintetts konnten diesmal nur Wellnitz und der weitere Trompeter Christian Tolksdorff anreisen. Als Hornist war Jens Hentschel eingesprungen, der auch moderierte:„weil ich mich am wenigsten gewehrt habe“. Mit Verstand und Witz hat er das Publikum durchs Programm geführt und bei schwierigen Höraufgaben gecoacht. Posaune und Tuba wurden von Tim Raschke und Matthias Fitting gespielt. Die Werkauswahl des Abend verlangte auch Schlagwerk und Orgel. Der junge Spanier Francisco Manuel Anguas Rodriguez glänzte an Pauken und kleiner Trommel, ähnlich wie an der Orgel Albert Schönberger. Ein Vierteljahrhundert war er als Domorganist tätig. Zum Auftakt ertönte die „Fanfare“ aus einem Ballett des Spätromantikers Paul Dukas. Die Fans von echter Turmbläser-Musik kamen bei Henry Purcells Suite für Bläser uns Pauken auf ihre Kosten. Die Exzellenz der beteiligten Musiker muss hier nicht betont werden. Alle sind Meister ihres Faches und genießen das kammermusikalische Spiel. Etwas überraschend im Programm war der hohe Anteil an reinen Orgelstücken. Der höchst fingerfertige Schönberger bot Georg Friedrich Händels Orgelkonzert B-Dur op. 4,2 und übernahm den Orchesterpart gleich mit. Einen weiteren ausführlichen Orgelblock gönnte er sich kurz vor Ende des Konzerts mit vielen kleinen, lustigen Stücken aus der Wiener Klassik, als Flöten-Uhr-, Trompeten-Uhr- oder „Schlagstück in eine Uhr“ (wie bei P. Gelasius Hiebler, einem südbayrischen Komponisten dieser Zeit) bezeichnet. Blökende Bass - Pedaltöne und Jahrmarktsregister demonstrieren, dass Orgelmusik sehr weltliche, derb-fröhliche Züge annehmen kann. Eine Besonderheit zauberten die Künstler aus ihrer Notenmappe: Albert Schönbergers Partita „Lobpreiset all zu dieser Zeit“. Dabei handelt es sich um ein zwölfsätziges Werk für Blechbläserquintett, Pauken und Orgel, das zu Neujahr erst im Mainzer Dom aufgeführt worden war. Der Komponist hatte den Weihnachtschoral „Ich steh an deiner Krippen hier in verschiedensten Stilen bearbeitet. mal klang Reger, mal Widor durch, selbst Johann Sebastian Bach stand einmal Pate. Hier waren die liebevollen Fingerzeige des Hornisten angebracht, um zu garantieren, dass der begeisterte Beifall wirklich erst NACH den zwölf Durchführungen aufbrandete. Zuhörer lobten „Die Vielfalt der Orgel“, die durch gute Registrierung beeindruckte. Händels „Halleluja“ und als pompöser Abschluss Richard Strauss’ „Feierlicher Auszug“ setzten weitere Glückshormone frei. Es gab lang anhaltenden, begeisterten Beifall für 90 Minuten hochrangige Musik.
 
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